veröffentlicht am 25.11.2025; Autor: Prof. Harald Walach
Ungeimpfte Kinder sind gesünder, zeigt eine bisher unveröffentlichte große Studie
Ein bisschen Hintergrund
Die Debatte, ob Impfen Kinder gesünder oder kränker macht, wabert heiß. Die allgemeine Weisheit sagt, Impfen sei gut. Impfen sei eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin und habe wesentlich zur Senkung der Kindersterblichkeit beigetragen. Kritiker sind anderer Meinung. Sie weisen darauf hin, dass die Kindersterblichkeit schon lange vor Entdeckung der Erreger der Kinderkrankheiten zurückgegangen sei und dass die Impfungen, zumindest in den westlichen Ländern, wenig bis gar nichts zu diesem Sterblichkeitsrückgang beigetragen habe. Gerade vor Kurzem hat das Masernimpfsymposion unseres Vereins MWGFD (https://www.mwgfd.org/2025/11/pressesymposium-das-masernschutzgesetz-auf-dem-pruefstand-2/) dazu wieder einige Daten geliefert.
Der erste, der darauf hinwies, dass die Impfungen weniger als vermutet zum Rückgang der Kindersterblichkeit beigetragen haben, war meines Wissens der legendäre Sozialmediziner Thomas McKeown aus Birmingham [1]. Er belegte anhand von Sterbetafeln aus England und Wales, dass der Rückgang der Kindersterblichkeit mit den Impfungen wenig bis gar nichts zu tun hat. In dem genannten Buch sind viele Grafiken abgebildet. Ich gebe hier die Daten der Masernsterblichkeit aus [1] wieder:
Kindersterblichkeit an Masern in England und Wales, Abb. 8.14. aus [1]

Zwischen 1960 und 1970, als die Masernimpfung eingeführt wurde, lag die Todesrate schon in einem solch niedrigen Bereich, dass keine Intervention, auch die Impfung nicht, noch einen erkennbaren Effekt hätte haben können. Man nennt das in der Forschung „Bodeneffekt“.
Dass das in Ländern wie Afrika anders sein könnte, das hat der bekannte dänische Forscher Aaby des öfteren gezeigt. Dort hat die Einführung der Masernimpfung zu einem drastischen Rückgang der Mortalität geführt [2], während die Einführung des Diphterie-Pertussis-Tetanus-Impfstoffes in Afrika zu einer Sterblichkeitszunahme führte [3]. Daher hat die Autorengruppe das Konzept der „nicht-spezifischen Wirkung von Impfungen“ eingeführt [4]. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass eine Impfung einen sehr unspezifischen Effekt auf die Immunmobilisierung haben könnte. Falls das stimmen sollte, ist die Idee einer spezifischen Impfung gegen einen bestimmten Erreger ohnedies relativ schlecht begründet. Aber das will ich hier nicht weiter diskutieren.
Ich erwähne dies, um zu zeigen: Die Diskussion um Wohl und Wehe der Impfung ist sehr differenziert. Sie muss die Impfstoffe, die Erreger, und vor allem den sozio-politischen Kontext berücksichtigen, also wo Impfkampagnen gestartet werden und warum.
Eben genau weil das geltende Narrativ vom Segen der Impfungen so weit verbreitet ist, wird es selten diskutiert und hinterfragt. Daher gibt es die Studien, die man bräuchte, um die Frage richtig zu klären überhaupt nicht: nämlich langfristige randomisierte Studien von geimpften und ungeimpften Kindern, die man, sagen wir, über 6 Jahre oder länger beobachten würde um festzustellen, ob geimpfte Kinder insgesamt gesünder sind. Es ist wichtig, diese Frage von der zu trennen, ob geimpfte Kinder vor der geimpften Infektion geschützt sind. Das sind sie meistens besser als ungeimpfte. Aber sind diese Infektionen so gefährlich? Oder ist es vielleicht ein Vorteil für ein Kind, eine bestimmte Krankheit, sagen wir Masern oder Windpocken, durchgemacht zu haben, weil sich dadurch nämlich das Immunsystem besser entwickelt und eine generelle Stärkung der Abwehrkraft entsteht? Es gibt beispielsweise eine interessante Studie, die gegen Grippe geimpfte Kinder beobachtet hat. Die geimpften Kinder haben weniger Grippe, dafür aber mehr als viermal so häufig andere Infekte [5]. Die Autoren folgern: die Impfung hilft zur Grippeprävention, aber scheint die unspezifische Immunität, die zur Abwehr von viralen Infekten zentral ist, zu beeinträchtigen.
Die einzige longitudinale Studie zur Gesundheit von geimpften und ungeimpften Kindern
Vor ein paar Wochen wurde eine Studie durch ein Gerichtsverfahren in den Vereinigten Staaten öffentlich, die helfen könnte, diese Diskussion nochmals aufzurollen und vielleicht auch die entsprechenden großen randomisierten Studien zu rechtfertigen [6]. Die Studie ist bislang unpubliziert und geistert als Manuskript durchs Netz. Unser Gastautor Werner Gertz hat den Hintergrund zu dieser Studie erläutert (https://www.mwgfd.org/2025/11/eine-unbequeme-studie/); dort findet sich auch das originale Manuskript. Daher kann ich mich hier auf ein paar wichtige Punkte beschränken.
Die Studie ist wie gesagt unpubliziert. Ich habe den Autor angeschrieben und gefragt, ob er vorhat sie zu publizieren, aber keine Antwort erhalten. Offenbar hat der Autor Sorge um seine Reputation oder Angst vor einem Shitstorm oder seine Institution hat ihm einen Maulkorb verpasst, wer weiß.
Aber die Studie ist ja jetzt öffentlich. Ich will auf ein paar wichtige Sachverhalte hinweisen:
1. Es ist die einzige longitudinale Studie, also über einen Zeitraum von maximal 17 Jahren laufende Studie, die mir in dieser Größenordnung bekannt ist. Denn die Studie schloss knapp 18.500 (n = 18.468) Kinder ein, von denen knapp 2.000 ungeimpft waren (n = 1.957), die zwischen 2000 und 2016 in einem Gesundheitsversicherungssystem in Detroit, USA, erfasst waren und bis Ende 2017 beobachtet wurden. Wenn ein Kind also 2000 geboren und in die Versicherung eingeschlossen wurde, dann war es Ende 2017 achtzehn Jahre alt. Wenn es erst 2016 geboren und in die Versicherung eingeschlossen war, dann war es zum Ende der Beobachtungszeit 2 Jahre alt. Die Studie ist deswegen longitudinal, weil sie einen längeren Zeitraum überblickt. Aber sie ist retrospektiv, weil sie von 2017 nach rückwärts die Daten der Versicherung verwendet hat. Daher weiß man nicht genau, was mit Kindern war, die vielleicht in der Zwischenzeit ausgetreten, weggezogen oder aus einem anderen Grund nicht gut erfasst sind. Das sind Schwächen, die bei einem solchen Studienansatz nicht vermieden werden können.
2. Die knapp 2.000 ungeimpften Kinder sind eine relativ große Vergleichsgruppe, das macht die Abschätzung von statistischen Kennwerten einfacher. Dennoch ist sie nicht groß genug. Denn in manchen Krankheitskategorien (z.B. Gehirnschäden, Diabetes Typ 1, Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwächen, kognitiven Schwächen, Tics, andere psychische Störungen) kamen zwar in der Impfgruppe Fälle vor, manche sogar relativ häufig, aber in der Gruppe der Ungeimpften waren keine Fälle zu beobachten. Das hat statistisch zur Folge, dass der Kennwert, die Incidence Risk Ratio, also das Verhältnis des Auftretens dieser Krankheit in beiden Gruppen, nicht berechnet werden kann. Denn man kann bekanntlich nicht durch Null teilen (ein guter Kollege von mir hat eine Postkarte an seiner Bürotür mit dem Cartoon eines heimlich schleichenden Statistikers der sagt: „In der Nacht, wenn alle schlafen, teile ich heimlich durch Null!“ geht aber trotzdem nicht). Daher kommen für diese Kategorien keine Schätzungen vor. Aber die Inzidenzziffern sind auch für diese Kategorien unter den Geimpften relativ hoch, nämlich 262 Fälle auf 1 Million Patientenjahre für ADHS, oder 165 Fälle von Verhaltensauffälligkeiten auf 1 Million Patientenjahre. Man darf also aus der Abwesenheit von Incidence Risk Ratios für diese Krankheitskategorien nicht darauf schließen, dass sie nicht vorkommen, sondern dass die Stichprobe zu klein war, um sie zu berechnen, so dass in der ungeimpften Gruppe kein Fall in dieser Kategorie aufgetreten ist.
3. Das bemerkenswerteste Ergebnis wurde bereits berichtet: Die sog. Hazard Ratio (HR; das ist das Verhältnis von Fällen in beiden Gruppen ins Verhältnis gesetzt und über die Zeit gemittelt) für irgend eine der chronischen Erkrankungen die erfasst worden sind ist 2.59. Das heißt, geimpfte Kinder haben 2.59-mal häufiger irgend eine der chronischen Erkrankungen, die erfasst wurden und für die eine Hazard Ratio berechenbar war (siehe oben). Außer bei Krebs, Autismus, neurologischen oder psychischen Störungen signalisierten diese HRs für alle Krankheiten ein größeres, zum Teil sogar 4 bis 6 fach höheres Risiko in der geimpften Gruppe. Bei Krebs stimmt meines Erachtens die Berechnung der HR im Manuskript nicht; das ist aber nicht prüfbar ohne Daten. Hier sind insgesamt 169 Fälle in der geimpften Gruppe vs. 13 (immer auf 1 Million Patientenjahre gerechnet; lasse ich jetzt weg) zu beobachten, bei Autismus 23 zu 1, bei Diabetes 42 zu 0, bei neurologischen Störungen 127 zu 12. Bei größeren Stichproben wären auch diese Zahlen vermutlich statistisch auffällig geworden. Aber die Tatsache, dass Asthma mehr als 4 mal so häufig, Autoimmunerkrankungen mehr als 6 mal so häufig, psychische und Entwicklungsstörungen mehr als 3 mal so häufig sind, reicht eigentlich und sollte uns zu denken geben. All diese Werte sind statistisch signifikant.
4. Der Zeitverlauf der chronischen Erkrankungen, also die Zeit bis zum Auftreten einer chronischen Erkrankung und der Anteil der erkrankten bzw. nichterkrankten Kinder ist sehr klar. Die Kurve kennen unsere Leserinnen und Leser bereits aus dem Beitrag von Herrn Gertz. Ich gebe sie hier nochmals wieder:

Abbildung 1 aus [6]: Kaplan-Meier Kurve, die die Wahrscheinlichkeit der Freiheit von chronischer Krankheit über die Jahre in beiden Gruppen zeigt: x-Achse – Jahre, y-Achse – die Wahrscheinlichkeit, ohne irgendeine chronische Krankheit zu bleiben; blau: geimpfte Kinder; rot: ungeimpfte Kinderkrankheiten
Die Kurve kommt so zustande: Jeden Monat (oder wie groß auch immer das kleinste Zeitfenster ist, vielleicht auch jede Woche) wird ausgezählt, wie viele Kinder in jeder Gruppe ohne eine chronische Krankheit sind und diese Zahl auf die Gesamtzahl standardisiert, die für diese Berechnung in Betracht kommen. Dadurch erhält man die Wahrscheinlichkeit, die auf der y-Achse abgetragen ist. Unten ist sie für die Jahre nochmals angegeben. Nach 10 Jahren haben also nur 43% aller geimpften Kinder keine der erfassten chronischen Krankheiten, sind also im klinischen Sinne gesund, aber 83% der ungeimpften Kinder sind klinisch gesund.
Um zu sehen, dass dieser Unterschied drastisch ist, braucht man keine Statistik. Denn Statistik ist im Grunde ein Hilfsmittel für Blinde bzw. notwendig, wenn die Unterschiede klein sind. Hier sind sie riesig.
Damit ist eigentlich klar: Geimpfte Kinder haben vielleicht einen Schutz gegen bestimmte Infektionskrankheiten. Aber sie haben langfristig ein größeres Risiko, eine der schwereren chronischen Erkrankungen zu entwickeln. Impfungen, zumindest in der Menge, wie sie in den USA vergeben werden, schaden langfristig der Gesundheit. Die Gruppe der geimpften Kinder hatte im Median 18 Impfungen, also 50% der Kinder hatten 18 oder mehr Impfungen.
5. Was mich auch nachdenklich stimmt: Die Autoren haben sich Mühe gegeben, auch die verstorbenen Kinder zu lokalisieren: das waren 6 Todesfälle insgesamt, das entspricht einer Kindersterblichkeit von etwa 0,03 % und damit nicht sehr hoch (daher haben sie vermutlich nicht alle gefunden, denn für die USA werden normalerweise Zahlen von 0,6% genannt). Doch 4 von diesen 6 Kindern waren in der Gruppe der geimpften Kinder. Die Impfungen scheinen dem Überleben der Kinder nicht gut zu tun, zumindest nicht in den USA.
Der Skandal
Im Grunde ist diese Studie ein Skandal, und das ist vielleicht der Grund, warum Dr. Zervos diese Studie nicht publizieren wollte. Denn sie zeigt, entgegen seinen Erwartungen, wie er im Manuskript deutlich sagt, dass die Impfungen klarerweise mehr schaden als nutzen. Diese Schlussfolgerung ist unausweichlich. Denn es ist nicht einmal ein Trend, ein Silberstreif an Hoffnung in diesen Daten. Die Autoren haben sich auch viel Mühe gegeben und durch Sensitivitätsanalysen, die ja noch Fehler in den Daten hätten offenbaren können, versucht die Robustheit ihrer Analysen zu testen. Sie waren sehr robust. Sie hatten eine Reihe von wichtigen Faktoren, außer dem Einkommensstatus, zur Verfügung, um ihre Statistik von potenziellen Fehlern zu bereinigen, was sie getan haben. Vor allem die Gruppe der eher unterprivilegierten Schwarzafrikaner, könnte man meinen, wäre ja weniger geimpft und daher „gefährdeter“. Das Umgekehrte ist der Fall: eher die weißen Kinder sind in dieser Gegend des „Rostgürtels“, in Detroit, nicht geimpft. Aber diesen Faktor haben die Autoren in ihrer Studie berücksichtigt.
Der Skandal ist ein doppelter: Erstens, dass diese Studie unpubliziert blieb und erst durch ein Gerichtsverfahren frei geklagt werden musste. Zweitens, dass das geltende Narrativ vom Segen der Impfungen immer noch unwidersprochen bleibt, obwohl Daten wie diese dagegen stehen.
Was wir benötigen würden wäre jetzt eine sehr große randomisierte Studie über lange Zeit, die diese Frage klären könnte. Das wird kaum möglich sein, denn die Eltern der Kinder, die diese nicht impfen lassen wollen werden in eine solche Studie nicht einwilligen, und die, die vom Segen der Impfung überzeugt sind auch nicht. Und die, denen es egal ist und die vielleicht an einer Studie mitmachen würden, dürften nicht so zahlreich sein und vielleicht auch nicht repräsentativ für alle anderen Eltern.
Also werden wir weiterhin nur vermutungsähnliches Wissen haben und es führt kein Weg an einer freien und informierten Impfentscheidung vorbei. Diese darf, folgt man diesen Daten, auf keinen Fall auf irgend einer Form von Zwang und Nötigung basieren. Alles andere hat mit Wissenschaft nichts mehr zu tun.
Literatur:
1. McKeown T. Die Bedeutung der Medizin: Traum, Trugbild oder Nemesis? Frankfurt: Suhrkamp; 1982; orig. 1976 1982/ /.
2. Aaby P, Bhuiya A, Nahar L, Knudsen K, de Francisco A, Strong M. The survival benefit of measles immunization may not be explained entirely by the prevention of measles disease: a community study from rural Bangladesh. International Journal of Epidemiology. 2003;32:106-15. PubMed Central PMCID: PMC12690020.
3. Aaby P, Mogensen SW, Rodrigues A, Benn CS. Evidence of Increase in Mortality After the Introduction of Diphtheria–Tetanus–Pertussis Vaccine to Children Aged 6–35 Months in Guinea-Bissau: A Time for Reflection? Frontiers in Public Health. 2018;6. doi: 10.3389/fpubh.2018.00079. PubMed Central PMCID: PMC29616207.
4. Aaby P, Benn CS. Developing the concept of beneficial non-specific effect of live vaccines with epidemiological studies. Clinical Microbiology and Infection. 2019;25(12):1459-67. doi: 10.1016/j.cmi.2019.08.011. PubMed Central PMCID: PMC31449870.
5. Cowling BJ, Fang VJ, Nishiura H, Chan K-H, Ng S, Ip DKM, et al. Increased risk of noninfluenza respiratory virus infections associated with receipt of inactivated influenza vaccine. Clin Infect Dis. 2012;54(12):1778-83. Epub 03/15. doi: 10.1093/cid/cis307. PubMed PMID: 22423139.
6. Lamerato L, Chatfied A, Tang A, Zervos M. Impact of Childhood Vaccination on Short and Long-Term Chronic Health Outcomes in Children: A Birth Cohort Study. 2021.
Kla.TV hat diese gewichtige Dokumentation synchron ins Deutsche übersetzt.
https://www.kla.tv/39860
