Kategorien
Gesellschaft und Wirtschaft Medizinische Informationen

»Shedding« nach COVID-Impfung: Welche Gefahren sind realistisch?

veröffentlicht am 3. Juni 2024, Autor: Dr. med. Michael Palmer

Dies ist die überarbeitete schriftliche Fassung eines Vortrages, der am 15. März 2023 bei einem MWGD-Online-Symposium zum Thema »Genbasierte ›Impfstoffe‹« gehalten wurde.

Vorbemerkungen

Viele Menschen, die sich selbst nicht mit den COVID-19-Impfstoffen haben injizieren lassen, fürchten sich vor schädlichen Auswirkungen von Kontakten mit Geimpften. Von diesen wird angenommen, dass sie den Impfstoff selbst oder auch das durch ihn induzierte Spike-Protein an Ungeimpfte übertragen können. Diese angenommene Übertragung wird häufig als „Shedding“ bezeichnet.

Vom „Shedding“ war schon sehr bald nach der Einführung der COVID-19-Impfstoffe die Rede, also vor mittlerweile bereits drei Jahren. In dieser ganzen Zeit habe ich nur anekdotische Berichte gehört, aber von keinen systematischen Untersuchungen. Hierzu muss ich sagen, dass ich selbst zwar als Arzt ausgebildet bin, aber keine Patienten betreue. Ich kann also die Gültigkeit solcher anekdotischen Berichte nicht aus erster Hand beurteilen.

Wie so oft seit Einführung der COVID-19-Impfstoffe gibt es auch zu diesem Thema wenig belastbare Daten. Ich muss mich deshalb bei diesem Thema hauptsächlich auf Plausibilitäts-Überlegungen stützen.

1. Die Regel des Paracelsus: Allein die Dosis macht das Gift

Die Wirkung eines Giftes hängt immer von seiner im Körper vorhandenen Menge ab. Dasselbe gilt für Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Diese Regel ist auch auf das „Shedding“ anzuwenden. Eine Übertragung von Impfstoff oder von Spike-Protein von einem Menschen auf einen anderen könnte zwar auf verschiedenen Wegen passieren, aber solange es sich dabei nur um Spuren handelt, sind schädliche Wirkungen auf den Empfänger nicht plausibel. Wir werden daher im Folgenden auf die Menge des übertragenen Materials besonderes Gewicht legen.  

2. Ein klarer Fall von „Shedding“: Nachweis von Impfstoff-RNA in der Muttermilch

StudieProbanden (stillende Mütter)mRNA nachgewiesen in
Golan et al., 202170
Low et al., 2021103
Hanna et al., 2022115

Diese Tabelle listet drei Studien, in denen der Nachweis von Impfstoff-mRNA in der Brustmilch geimpfter stillender Mütter versucht wurde [13]. Alle drei Studien verwendeten rt-PCR zum Nachweis. In zwei dieser Studien gelang dieser Nachweis; die dritte Studie verwendete eine untaugliche Methode zur Probenvorbereitung.

Sowohl Low et al. [3] als auch Hanna et al. [2] betonen, dass die von ihnen nachgewiesene Menge von mRNA “vernachlässigbar” sei. Hierzu ist anzumerken, dass man hiervon nicht in jedem Einzelfall ausgehen kann. Es ist bekannt, dass intramuskulär applizierte Injektionen in einigen Fällen nicht im Muskelgewebe, sondern im Blutkreislauf landen [4]. In solchen Fällen wären natürlich sehr viel höhere mRNA-Blutspiegel zu erwarten. In der Folge dürfte dann auch die in die Muttermilch übertragene Menge von Impfstoff-mRNA ungleich höher sein.

3. VAERS kennt mindestens zwei Fälle von Kindstod kurz nach Impfung der stillenden Mütter

Das amerikanische „Vaccine Adverse Events Reporting System“ (VAERS) sammelt Berichte zu Nebenwirkungen von Impfstoffen aus den gesamten USA. In dieser Datenbank finden sich mindestens zwei Berichte über den Tod von Stillkindern kurz nach Impfung ihrer Mütter. Der Bericht mit der VAERS-ID 1166062 weist tatsächlich auf die Impfung als Ursache hin:

  • Ein fünf Monate alter Säugling verstarb einen Tag nach Impfung der stillenden Mutter
  • Symptome und Befunde: Hautausschlag, erhöhte Leberwerte
  • Diagnose: thrombotisch-thrombozytopenische Purpura
  • Keine andere mögliche Todesursache bekannt

Es is durchaus denkbar, dass dieser schwere, akute Verlauf durch eine unbemerkte intravenöse Injektion der Mutter verursacht wurde.

Der zweite tödlich ausgegangene Fall ist unter der VAERS-ID 945282 zu finden. Die Fallgeschichte ist hier weniger charakteristisch. Mehrere Fälle von Stillkindern mit gastrointestinalen Blutungen ohne tödlichen Ausgang wurden ebenfalls berichtet. Insgesamt deuten solche Fälle darauf hin, dass die Impfstoffe in toxisch wirksamen Mengen in die Muttermilch übertragen werden können.

Es ist bekannt, dass Lipid-Nanopartikel in der Blutbahn sich eine Proteinhülle zulegen, die sie den normalen Fett-Transportpartikeln des Körpers, den sogenannten Lipoproteinen, ähnlich erscheinen lässt [5]. Die Brustdrüsen nehmen Lipoproteine aus dem Blut auf, um sie dann in die Muttermilch abzugeben. Es ist also nicht allzu überraschend, dass dabei auch eine beträchtliche Menge von Impfstoffpartikeln mitgenommen werden.

4. Gibt es andere Wege, auf denen erhebliche Mengen von Impfstoff oder Spike-Protein übertragen werden könnten?

Die Plazenta nimmt ebenfalls Lipoproteine auf und transferiert einen Teil davon in den fötalen Kreislauf (ein weiterer Teil wird für die Synthese von Gestagen-Hormonen in der Plazenta selbst verwendet). Man kann also erwarten, dass auch die Plazenta und der Fötus erheblichen Mengen von Impfstoff-Partikeln ausgesetzt sind. Der Pathologe Prof. Arne Burkhardt hat in der Plazenta einer Fehlgeburt die Expression von Spike-Protein nachgewiesen. Experimente mit der Injektion von schwangeren Ratten zeigten beim Nachwuchs neurologische Entwicklungsstörungen [6], und statistische Studien Impfung schwangerer Frauen zeigten vermehrt Fehlgeburten, kindliche Fehlbildungen und andere ungünstige Schwangerschaftsverläufe [7]. Wie bei der Muttermilch gibt es mithin auch hier sowohl einen plausiblen Mechanismus für die Übertragung als auch dazu passende Evidenz.

Eine dritte Möglichkeit für die Übertragung erheblicher Mengen von Impfstoff sind Blutspenden. Mir sind keine Fälle bekannt, in denen Impfstoffe, die in Blutspenden enthalten waren, zu Gesundheitsschäden bei Empfängern geführt hätten. Ich würde diese Möglichkeit aber nicht kategorisch ausschließen. Diese Frage wird demnächst in einem separaten Memo gesondert behandelt werden.

5. Ist eine Übertragung von Impfstoff oder Spike-Protein auf anderen Wegen möglich?

Prinzipiell ja, aber höchstwahrscheinlich nicht in erheblichen Mengen. Insbesondere Schweiß oder Speichel können sicherlich nur sehr geringe Mengen übertragen. Eine ungleich höhere Menge würde notwendigerweise im Körper des Geimpften verbleiben. Wenn dieser selbst nicht krank ist, dann ist es mir nicht vorstellbar, dass er durch Übertragung eines sehr kleinen Anteils des in seinem Körper vorhanden Giftes andere Personen krank machen könnte.

Sperma oder Vaginal-Sekret werden möglicherweise eine etwas höhere Menge Impfstoff-Partikel oder Spike-Protein enthalten als Schweiß oder Speichel. Aber davon dürfte höchstens ein kleiner Teil die Haut oder die Schleimhäute der Sexualorgane durchdringen, so dass eine Schädigung des ungeimpften Partners wiederum kaum vorstellbar ist.

Medizinisch Tätige machen sich möglicherweise Sorgen um Stichverletzungen mit kontaminierten Kanülen. Hierbei können Virusinfektionen übertragen werden, aber eine Übertragung schädlicher Mengen von Impfstoff oder Spike-Protein ist wiederum nicht plausibel.

6. Ausnahmen

Bei diesen generellen Aussagen muss man zwei Vorbehalte machen:

  • Bei selbst-amplifizierenden mRNA-Impfstoffen (experimentell) könnte die Übertragung geringer Mengen von RNA dazu ausreichen, den Empfänger krank zu machen.
  • Die “Adenovector”-Impfstoffe (AstraZeneca, Janssen) könnten in vivo mit natürlichen Adenoviren rekombinieren und damit infektiös werden.

Der springende Punkt ist natürlich die Infektiosität. Wenn die übertragene Nukleinsäure sich im Körper des Empfängers vermehren kann, dann könnte auch die Übertragung sehr geringer Mengen ausreichen, um den Empfänger krank zu machen. Dieses sollte aber bei den gegenwärtig angewandten mRNA-Impfstoffen nicht der Fall sein.

7. Selbst-amplifizierende RNA könnte sich im Körper des Empfängers vermehren wie ein Virus

Diese Abbildung (adaptiert von Bloom et al. [8]) illustriert die Funktionsweise von “konventionellen” und selbst-amplifizierenden mRNA-Impfstoffen. Letztere kodieren nicht nur für das Impf-Antigen, sondern auch für eine RNA-Polymerase (RdRP), welche in unseren Körperzellen neue Kopien der Impfstoff-RNA erzeugen kann.

Es ist auch bekannt, dass RNA durch Exosomen zwischen Zellen übertragen werden kann [9]. Demzufolge könnte sich eine selbst-amplifizierende RNA theoretisch wie ein Virus vermehren.

8. Könnten andere Mechanismen ein „Shedding“ vortäuschen?

Anekdotischen Berichten zufolge stecken manche geimpfte Personen vermehrt Angehörige und Bekannte mit respiratorischen Infekten an. Dies könnte auf der durch die Impfung hervorgerufenen Immunsuppression beruhen. Geimpfte erkranken deutlich häufiger an Omikron als Ungeimpfte [10]. Dies deutet auf eine Störung der Infektionsabwehr hin und könnte durchaus auch andere Viren betreffen.

Es gibt weiterhin anekdotische Berichte über Störungen des Menstruationszyklus bei ungeimpften Frauen nach Kontakt mit Geimpften. Dies wurde spekulativ mit Pheromonen in Verbindung gebracht, die von Frauen abgesondert werden, und von denen angenommen wird, dass sie die Menstruationszyklen zusammenlebender Frauen synchronisieren können. Eine solche Synchronisierung durch Pheromone wird kontrovers diskutiert [1114]. Selbst wenn diese Theorie stimmt, bleibt unklar, wie eine Störung der Pheromon-Sekretion bei Geimpften nicht nur die Synchronisierung mit ungeimpften Frauen beeinträchtigen würde, sondern darüber hinaus auch den individuell regelmässigen Zyklus der Ungeimpften.

9. Fazit

Die Übertragung gesundheitsschädlicher Mengen von mRNA oder Spike-Protein mit der Muttermilch muss als gut belegt gelten. Dasselbe trifft für die Übertragung von Müttern auf ungeborene Kinder zu [7]. Für die Übertragung durch Blut und Blutprodukte liegt mir derzeit keine Evidenz vor; ich wäre aber für entsprechende Hinweise dankbar. Diese Frage wird in Kürze in einem weiteren Artikel diskutiert werden.

Bei Berührungen im Alltag wie Händeschütteln oder Umarmungen, oder auch bei intimen Kontakten, ist aber keine Übertragung gefährlicher Mengen von Impfstoff oder Spike-Protein zu befürchten.

Sollte es in der Zukunft zum Einsatz selbst-amplifizierender mRNA-Impfstoffe kommen, dann würden diese zumindest ein theoretisches „Shedding“-Risiko darstellen. Man sollte aber in einem solchen Fall erwarten, dass Erkrankungen aufgrund von Kontakt mit Geimpften nur nach einer bestimmten Inkubationszeit auftreten, nicht unmittelbar nach dem Kontakt.

Quellen

  1. Golan, Y. et al. (2021) Evaluation of Messenger RNA From COVID-19 BTN162b2 and mRNA-1273 Vaccines in Human Milk. 1903 DOI:10.1001/jamapediatrics.2021.1929
  2. Hanna, N. et al. (2022) Detection of Messenger RNA COVID-19 Vaccines in Human Breast Milk. JAMA pediatrics DOI:10.1001/jamapediatrics.2022.3581
  3. Low, J.M. et al. (2021) BNT162b2 vaccination induces SARS-CoV-2 specific antibody secretion into human milk with minimal transfer of vaccine mRNA. 1805 DOI:10.1101/2021.04.27.21256151
  4. Middleton, T. et al. (2015) Complications of injectable testosterone undecanoate in routine clinical practice. Eur. J. Endocrinol. 172:511-7
  5. Francia, V. et al. (2020) The Biomolecular Corona of Lipid Nanoparticles for Gene Therapy. Bioconjug. Chem. 31:2046-2059
  6. Erdogan, M.A. et al. (2024) Prenatal Exposure to COVID-19 mRNA Vaccine BNT162b2 Induces Autism-Like Behaviors in Male Neonatal Rats: Insights into WNT and BDNF Signaling Perturbations. Neurochem. Res. 49:1034-1048
  7. Thorp, J.A. et al. (2023) COVID-19 Vaccines: The Impact on Pregnancy Outcomes and Menstrual Function. J. Am. Phys. Surg. 28:28-34
  8. Bloom, K. et al. (2021) Self-amplifying RNA vaccines for infectious diseases. Gene Ther. 28:117-129
  9. Valadi, H. et al. (2007) Exosome-mediated transfer of mRNAs and microRNAs is a novel mechanism of genetic exchange between cells. Nat. Cell Biol. 9:654-9
  10. Lyngse, F.P. et al. (2021) SARS-CoV-2 Omicron VOC Transmission in Danish Households. medRxiv DOI:10.1101/2021.12.27.21268278
  11. McClintock, M.K. (1998) Whither menstrual synchrony?. Annu. Rev. Sex Res. 9:77-95
  12. Schank, J.C. (2006) Do human menstrual-cycle pheromones exist?. Hum. Nat. 17:448-70
  13. Shinohara, K. et al. (2000) Effects of 5alpha-androst-16-en-3alpha-ol on the pulsatile secretion of luteinizing hormone in human females. Chem. Senses 25:465-7
  14. Whitten, W. (1999) Pheromones and regulation of ovulation. Nature 401:232-3