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Der Irrweg der „No virus“-Doktrin

veröffentlicht am 20. Juni 2024; Autor: Dr. med. Michael Palmer

Unsere letzte und beste Theorie ist immer ein Versuch, alle in dem betreffenden Bereich jemals gefundenen Falsifikationen zu verarbeiten.

Karl Popper

In diesem Artikel werde ich zeigen, dass die Argumente, mit welchen Torsten Engelbrecht und andere Autoren die Existenz von Viren widerlegen oder als „unbewiesen“ hinstellen möchten, unhaltbar sind.

1. Was ist eigentlich ein „wissenschaftlicher Beweis“?

Die meisten der Argumente, die man von Torsten Engelbrecht und aus dem „No-virus“-Lager insgesamt zu hören bekommt, laufen darauf hinaus, dass „die Beweise nicht reichen.“ So sagt z.B. Engelbrecht gleich am Anfang seiner Replik, dass „die sogenannte ‘Keimtheorie’ auf unbewiesenen Annahmen beruht“. Weiter unten heißt es dann, dass „keine soliden Kontrollversuche durchgeführt wurden“ etc.

Es lohnt sich daher, kurz bei der Frage zu verweilen, was ein „Beweis“ in den empirischen Wissenschaften denn eigentlich sei. Mir selbst leuchtet am meisten die Sichtweise des Philosophen Karl Popper ein, die er in seinem Buch “Die Logik der Forschung” [1] dargelegt hat. Nach Popper kann eine wissenschaftliche Theorie nie endgültig bewiesen werden. Wenn von tausend Schwänen, die wir beobachten, alle weiß sind, dann ist wohl die Hypothese, dass alle Schwäne weiß seien, vernünftig; aber schon die Beobachtung eines einzigen schwarzen Schwans könnte sie jederzeit widerlegen. Nicht ganz so einfach gestaltet sich die Widerlegung, wenn es um weniger strikte Aussagen geht – zum Beispiel um die, dass nur die Mehrheit aller Schwäne weiß sei. Aber dasselbe Prinzip gilt trotzdem: eine endliche Anzahl von experimentellen Einzelbeobachtungen wird nie eine absolut sichere Vorhersage zu einer potentiell unendlichen Anzahl von zukünftigen Einzelfällen erlauben.

Zwar können wir also eine Hypothese durch Experimente nie wirklich beweisen, aber wir können sie dennoch testen; und solange diese Tests unsere Hypothese nicht widerlegen, können wir an ihr festhalten. Aber wie weit sollen wir es treiben mit unseren Tests? Das hängt sicherlich in beträchtlichem Maße von der Haltung des Publikums ab – zumeist der Fachkollegen, aber bei Fragen von allgemeiner Bedeutung der gesamten Öffentlichkeit. Wenn wir glauben, eine revolutionäre Entdeckung gemacht zu haben, dann müssen wir uns auf ein skeptisches Publikum einstellen; und wir werden daher ganz besonders gründliche und umfassende Tests durchführen müssen, um ein solches Publikum von unserer Hypothese zu überzeugen. Wollen wir andererseits nur einen Fortschritt im Detail vermelden, der mit der vorherrschenden Theorie generell im Einklang steht, dann wird man von uns nicht erwarten, dass wir mit unseren Tests wieder bei Adam und Eva anfangen, sondern sich mit entsprechend punktuellen Tests zufriedengeben.

Anhand dieser Betrachtungen können wir bereits einige Irrtümer der No-Virus-Fraktion verstehen. Die Lehre von den Viren und anderen mikrobiellen Infektionserregern – die Keimtheorie – hat seit ihrer Begründung im späten 19. Jahrhundert zahlreiche Tests bestanden, und sie ist daher heutzutage weithin akzeptiert. Viele dieser Tests waren mit erfolgreichen Anwendungen verbunden; segensreichen wie der Einführung von Hygienemaßnahmen zur Verhinderung von Infektionen und Epidemien, aber auch tragischen wie der Verwendung von pathogenen Bakterien als biologische Waffen.

Vor diesem Hintergrund ist es sinnlos, von der Galerie zu rufen: „Uns reichen die Beweise nicht!“ – was letztlich bedeutet: „Wir fordern mehr Tests!“, denn den meisten Leuten, insbesondere auch den meisten Fachleuten, reicht die Zahl der erfolgreich bestandenen Tests offenbar doch. Um die vorherrschende Lehre zu erschüttern, müssten die Virus-Skeptiker1 schon darlegen, an welchen bereits durchgeführten Tests die Keimtheorie gescheitert sei, oder aber sie müssten ein solches Scheitern in selbst durchgeführten Experimenten demonstrieren.

Ein weiterer Irrtum besteht in der Erwartung, in Studien neueren Datums erschöpfende Diskussionen und experimentelle Belege zur Frage „Gibt es die Viren tatsächlich?“ zu finden. Solche grundsätzlichen Diskussionen und Belege kann man nur in Studien aus der Periode erwarten, in welcher die Idee der Viren noch neu und umstritten war. Und natürlich wird man bei solchen historischen Recherchen zugestehen müssen, dass die Experimente jeder Zeitperiode durch deren technische Möglichkeiten begrenzt waren. Aufgrund der historischen Entwicklung wird also jede einzelne vorliegende Studie in irgendeiner Hinsicht unvollständig sein. Nur in der Gesamtschau der durch die Jahre angehäuften Evidenz wird man sich ein korrektes Bild von der Stärke oder Schwäche der Keimtheorie machen können. Und diese Hausaufgaben müssten die Virus-Skeptiker schon selbst auf sich nehmen, wenn sie denn ernst genommen werden wollen; der Anspruch, dass Andere sich beim Ausgraben der von ihnen eingeforderten „Beweise“ eine Staublunge holen sollen, ist, gelinde gesagt, irritierend.

2. Über Kontrollexperimente

Nehmen wir an, ich hätte eine neue chemische Verbindung gefunden, und ich glaubte, dass sie fiebersenkende Wirkung hätte. Wie könnte ein minimaler experimenteller Test aussehen? Ich könnte zunächst in ein paar Mäusen experimentell Fieber induzieren und diesen Mäusen dann mein neues Wundermittel verabreichen. Wenn daraufhin das Fieber abfiele, dann hätte meine Hypothese ihren ersten Test bestanden.

Natürlich wird niemand einen solchen Test als ausreichend akzeptieren, da es ja der allgemeinen Erfahrung entspricht, dass Fieber zumeist auch spontan wieder abfällt. Man würde also ganz zu Recht von mir verlangen, dass ich mein Wundermittel mit Plazebo vergleiche. Aber nichtsdestoweniger wäre auch mein naives Experiment ein echter Test – sollte das Fieber nicht abfallen, dann müsste ich meine Hypothese auch schon ohne Plazebo-Kontrollen verwerfen.

Nehmen wir nun als zweites Beispiel an, ich hätte einen neuen Krankheitskeim gefunden, und ich glaubte, dass dieser nach Injektion unter die Haut immer und sofort tödlich wirkte. Ich injiziere also ein paar Mäusen eine Reinkultur dieses Keimes, und diese fallen auch ganz richtig nach kurzer Zeit tot um. Wie wichtig wäre es in diesem Fall, eine Kontrollgruppe von Mäusen mit einer sterilen Lösung zu injizieren? Dies entspräche zwar gängiger Praxis, aber es wäre sicherlich weniger kritisch als die vorerwähnte Plazebo-Kontrolle; denn nach allgemeiner Erfahrung fallen Mäuse nicht ohne Grund spontan und gleichzeitig tot um. Ein „sudden mouse death syndrome“ ist sehr viel weniger wahrscheinlich als der spontane Rückgang eines Fiebers.

Diese Beispiele sollen nur illustrieren, dass Kontrollversuche zwar meistens eine gute Idee sind und uns davor bewahren können, eine irrige Hypothese voreilig als ausreichend „bewährt“ zu akzeptieren; dass aber andererseits ein echter oder behaupteter Mangel an Kontrollversuchen die betreffenden Experimente nicht automatisch ungültig macht. Kontrollen sind kein notwendiges oder hinreichendes Ritual zur Sicherstellung „echter Wissenschaftlichkeit“. Ein Kontrollversuch dient dem Ausschluss einer alternativen, zumeist trivialen Hypothese, welche dieselben Beobachtungen erklären könnte, die ich mit meiner bevorzugten Hypothese erklären will. Es ist sinnlos, ganz generell nach „mehr Kontrollen“ zu rufen, so wie es die Virus-Skeptiker gerne tun, ohne dabei die alternativen Hypothesen, die jeweils auszuschließen wären, präzise zu benennen.

Soviel zu Fragen der wissenschaftlichen Methode und ihres Missbrauchs durch die Virus-Skeptiker. Im Folgenden werde ich auf einige spezifische Argumente der Virus-Skeptiker zur Keimtheorie und zur Virologie eingehen.

3. Zu Robert Koch

Die Keimtheorie der Infektionskrankheiten ist untrennbar mit Robert Koch und seinen Entdeckungen der Erreger von Milzbrand, Cholera und Tuberkulose verbunden. In seiner Replik reduziert Engelbrecht die Bedeutung von Robert Koch auf die eines wissenschaftlichen Scharlatans:

Zum Beispiel verkündete der Mikrobenjäger „mit übergoßem Ego“ 1890, er habe ein Wundermittel gegen Tuberkulose entwickelt. … Das klang wie ein Wunder, herauskam aber eine regelrechte Katastrophe. Langzeitheilungen traten nicht auf, stattdessen fuhr vor den zahlreich „aus dem Boden gestampften“ Lungenheilanstalten ein Leichenwagen nach dem anderen vor. … Schließlich gelang es Kritikern Kochs, darunter Rudolph Virchow, der Nachweis, dass Tuberkulin nicht imstande war, Tuberkulose zu stoppen.

https://www.mwgfd.org/2024/06/virusnachweis-wo-bist-du/

Engelbrecht möchte Koch aufgrund dieser Episode vollständig disqualifizieren:

Tatsächlich jedoch waren beide Lichtgestalten [Koch und Pasteur] nachweislich Betrüger, deren entscheidende Arbeiten als wissenschaftlich wertlos eingestuft werden müssen.

https://www.mwgfd.org/2024/06/virusnachweis-wo-bist-du/

Man sollte natürlich die von Engelbrecht hervorgehobenen Ereignisse tatsächlich nicht unter den Teppich kehren; sie zeigen, dass Koch ebenso wie die meisten Menschen anfällig für Irrtümer und wohl auch für Wunschdenken war. Andererseits widerlegt aber der Irrtum Kochs nicht seine Entdeckung des Tuberkel-Bazillus. Die Aufdeckung seines Irrtums zeigt vielmehr, dass die Öffentlichkeit durchaus in der Lage war, auch diesem Pionier der Wissenschaft mit robuster Kritik zu begegnen. Es verwarf die Tuberkulin-Kur, weil sie nachweislich nicht half; aber es ließ Kochs Entdeckungen zur Verursachung der Tuberkulose bestehen, weil sie erfolgreich nachgeprüft und nachvollzogen werden konnten [2]:

Die Bestätigung kam schnell. In Großbritannien wiederholte der Chirurg Watson Cheyne die Arbeit von Koch und trug viel zur Verbreitung der neuen Lehre bei. Charles Theodore Williams vom Brompton Hospital in London verwendete und verbesserte die Färbetechniken und wies Tuberkelbazillen im Sputum nach. Er entdeckte auch ähnliche Bazillen im Staub des Lüftungssystems der Klinik und war somit möglicherweise der erste, der Mykobakterien in der Umwelt entdeckte.2

Grange, J.M. und Bishop, P.J. (1982) `Über Tuberkulose.‘ A tribute to Robert Koch’s discovery of the tubercle bacillus, 1882. Tubercle 63:3-17

Die zitierte Arbeit von Grange und Bishop [2] ist sehr lesenswert und gibt eine gute Darstellung von Kochs eigenen Studien und von den wissenschaftlichen Fragen und Diskussionen, die sich an Kochs Entdeckung anschlossen. Man fragte zum Beispiel, ob der Tuberkel-Bazillus Ursache oder Folge der Erkrankung sei, ob es Tuberkulose auch ohne diesen Bazillus geben könne etc. Anders als es uns die Kritiker der Keimtheorie glauben machen wollen, sind solche kritischen Fragen also nicht neu, sondern sie wurden von Kochs gebildeten und klar denkenden wissenschaftlichen Zeitgenossen sofort aufgeworfen und auch rigoros untersucht.

4. Zum Nachweis von Viren insgesamt

Engelbrechts Kritik an Koch und seinen Bakterien ist aber eigentlich nur eine Art „Zugabe“ – der wesentliche Punkt der Kontroverse betrifft die Existenz von Viren, welche Krankheiten verursachen. Zu dieser Frage hatten wir unter anderem bemerkt:

Die Partikel vieler Viren haben sehr charakteristische Formen, die nicht mit Fragmenten lebender Zellen oder mit Rückständen toter Zellen verwechselt werden können.

https://www.mwgfd.org/2024/05/gibt-es-viren-ueberhaupt/

Engelbrechts Gegen-„Argumente“ – dieses Wort passt hier wirklich nur mit Anführungszeichen – sind wie folgt:

  1. Der Firmenchef eines Herstellers von DNA-Sequenziermaschinen erzählte beim World Economic Forum, dass die Leute von Moderna mit der Entwicklung ihres Impfstoffs begonnen hatten, ohne überhaupt ein lebendes SARS-CoV-2-Virus gesehen zu haben.
  2. Klinische Proben, die für den PCR-Nachweis von Viren verwendet werden, enthalten vielerlei körpereigene Partikel und Moleküle, die nichts mit dem jeweils gesuchten Virus zu tun haben.

Beide „Argumente“ haben keine mir erkennbare logische Beziehung zu unserer Aussage. Auf SARS-CoV-2 werde ich noch zurückkommen. Beim zweiten „Argument“ ist zunächst ein grundlegendes Missverständnis aufzuklären.

4.1. Diagnostischer Nachweis ohne Reinigung

Der Virusnachweis durch PCR ist keineswegs die einzige diagnostische Methode in der Labormedizin, die auf komplexe Probengemische angewandt wird. So kommen die meisten Blutuntersuchungen, die in klinisch-chemischen Labors durchgeführt werden, ohne vorherige Reinigung der jeweils nachzuweisenden Substanz aus. Dies klappt immer dann, wenn man eine spezifische „Sonde“ für die betreffende Substanz hat. Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • In vielen Fällen werden spezifische Antikörper verwendet. Dies findet beim Nachweis von Infektionserregern, aber auch von körpereigenen Substanzen wie zum Beispiel Hormonen weithin Anwendung. Die Antikörper „fischen“ die fragliche Substanz aus dem Gemisch heraus, und es gibt verschiedene Techniken zur Quantifizierung der so gefangenen „Fische“.
  • Die Aktivität von Enzymen im Blut kann gemessen werden, indem man diesen ihre spezifischen Substrate anbietet und dann misst, wie schnell diese umgesetzt werden. Umgekehrt kann man Glukose im Blut nachweisen, indem man der Probe ein Enzym zusetzt, welches Glukose spezifisch erkennt und umsetzt.
  • PCR-Methoden finden nicht nur in der Virologie, sondern z.B. auch in der genetischen Beratung und in der Forensik weite Anwendung. Die Spezifität beruht hierbei auf der Basenpaarung zwischen den jeweils maßgeschneiderten synthetischen Oligonukleotiden (Primern) und der gesuchten Nukleinsäuresequenz. Bei dieser kann es sich um mutantes Gen handeln, das mit einem genetischen Risiko behaftet ist; um die chromosomale DNA eines Gewalttäters; oder eben auch um virale DNA- oder RNA-Sequenzen. Die Spezifität des Nachweises lässt sich durch Sequenzierung der PCR-Produkte sicherstellen. Wie jedes Werkzeug kann man auch die PCR-Methode richtig einsetzen oder falsch. Während der COVID-19-„Pandemie“ wurde sie überwiegend falsch eingesetzt.

Wollten wir den Virus-Skeptikern nachgeben bei ihrem Versuch, alle diagnostischen Nachweise zu bannen, die auf der Selektivität der diagnostischen Reagenzien beruhen und nicht auf der vollständigen Reinigung des nachzuweisenden Virus, dann müssten wir konsequenterweise auch den Großteil aller anderen medizinisch-diagnostischen Labormethoden abschaffen.

Dieser Vorschlag ist natürlich nicht ernst gemeint; er soll lediglich die Lebensfremdheit der Virus-Skeptiker illustrieren. Und dieses Wort passt hier im doppelten Sinne: das Leben, so wie wir es kennen, ist überhaupt nur möglich durch diese hochspezifische gegenseitige Erkennung von Biomolekülen. Labormethoden wie die gerade beschriebenen machen sich ganz einfach diese fundamentale Eigenschaft des Lebens selbst zunutze.

4.2. Die schaurige Mär von den Exosomen

Unter den verschiedenen Komponenten von Patientenproben, die einen verlässlichen Nachweis von SARS-CoV-2 und anderen Viren in solchen Proben angeblich unmöglich machen, führt Engelbrecht auch die sogenannten Exosomen auf. Dies sind kleine Vesikel, die von den Oberflächen unserer Körperzellen abgeschnürt werden, und die dann von anderen Zellen wieder aufgenommen werden können. Unsere Zellen können auf diesem Weg verschiedene zelluläre Komponenten miteinander austauschen.

Die Exosomen erfreuen sich unter den Virus-Skeptikern ganz besonders großer Beliebtheit; sie werden immer dann bemüht, wenn es gilt, ein virusartiges Partikel wegzuerklären. Angeblich, so geht die Mär, sei es unmöglich, Viren von Exosomen zu trennen oder zu unterscheiden. Hierzu O-Ton Engelbrecht:

Dazu heißt es in einer im Mai 2020 in Viruses erschienenen Studie: „Heutzutage ist es ein fast unmögliches Unterfangen, EVs [extrazelluläre Vesikel] und Viren mittels kanonischer Vesikel-Isolationsmethoden wie der differentiellen Ultrazentrifugation zu trennen, da sie aufgrund ihrer ähnlichen Dimension häufig gemeinsam pelletiert werden.“

https://www.mwgfd.org/2024/06/virusnachweis-wo-bist-du/

Will heißen: wenn man die betreffende Probe in ein Röhrchen füllt und dieses in der Ultrazentrifuge schleudert, dann findet man die zellulären Vesikel und die Viruspartikel zusammen am Boden des Röhrchens wieder. Dies mag so sein, aber dies ist nicht die einzige oder die beste Methode zur Reinigung von Viruspartikeln. Engelbrecht gesteht dies auch zu:

Dass eine vollständige Partikelreinigung möglich ist, wurde derweil in einem Paper, das 1961 in Virology erschien, beschrieben. Das Problem hier: Die gereinigten Partikel stammten aus einer Zellkultur und nicht direkt aus dem Tier mit dem Tumor.

https://www.mwgfd.org/2024/06/virusnachweis-wo-bist-du/

Damit haben wir einen weiteren Buhmann der Virus-Skeptiker vorgestellt – die Zellkulturen, denen man nicht trauen kann; denn sie enthalten Exosomen, die man ja mit Viren verwechseln könnte. Hier mag sich der Leser fragen: Wenn sowohl Patientenmaterialien als auch Zellkulturen mit Exosomen befrachtet sind, warum sollten wir dann eine Viruspräparation aus Patientenmaterial akzeptieren, aber die aus einer Zellkultur ablehnen? Müssten wir nicht entweder beide verwerfen oder beide akzeptieren?

Wie dem auch sei – drehen wir den Spieß einmal um, und versuchen wir die die Idee zu testen, dass Viruspartikel in Wirklichkeit nur zelluläre Exosomen seien. Welche Voraussagen folgen aus einer solchen Hypothese? Mir fallen spontan zwei ein:

  1. Wenn wir ein und dieselbe Zelllinie mit zwei oder mehr verschiedenen Viren inokulieren, dann sollten wir trotzdem immer nur ein und dasselbe „Virus“ zurückerhalten – denn dieses „Virus“ wäre ja ein Trugbild, und seine Partikel nur die Produkte der Zelllinie selbst.
  2. Seit der Einführung von Zellkulturen dürfte es eigentlich keine Krankheiten unbekannter Ursache mehr geben. Denn jeder solchen Erkrankung – und ganz besonders jeder entzündlichen Erkrankung – wurde doch sicherlich schon mindestens einmal eine virale Ursache unterstellt; und die Inokulation einer Zellkultur mit den entsprechenden Patientenproben hätte umgehend zum Nachweis von Exosomen geführt, welche man dann als die Partikel des vermeintlichen kausalen Virus hingestellt hätte.

Zu Punkt 1: Abbildung 1 zeigt elektronenmikroskopische Aufnahmen von drei verschiedenen Viren, die in gleichartigen Zellkulturen angezüchtet wurden. Der Leser mag selbst beurteilen, ob diese drei Viren alle gleich aussehen oder nicht. Zu Punkt 2: Das Auffinden von Erkrankungen mit immer noch unbekannter Ursache wird dem Leser als Übung anempfohlen. Ein hierfür ergiebiges Gebiet sind Entzündungen des Zentralnervensystems. Das Scheitern zahlloser Versuche, für solche Erkrankungen kausale Viren nachzuweisen, zeigt natürlich, dass die Virologen sehr wohl in der Lage sind, Viruspartikel von Exosomen oder anderen zellulären Komponenten zu unterscheiden. Damit kann diese Hypothese der Virus-Skeptiker als eindeutig falsifiziert gelten.

Noch ein paar Bemerkungen zum Thema Elektronenmikroskopie: auch diese Methode wird von den Virus-Skeptikern grundsätzlich in Zweifel gezogen. Ein anonymer Online-Artikel, der ebenfalls in Antwort auf unseren vorhergehenden Aufsatz verfasst wurde [6], zitiert einen recht lesenswerten historischen Bericht zur Virusforschung [7] wie folgt:

Schon bei den ersten Versuchen, biologische Objekte elektronenmikroskopisch abzubilden, wurden Schädigungen beobachtet. Und es wurden Veränderungen der Objekte beschrieben. Dies hatte bei vielen Biologen eine starke Skepsis gegenüber Ergebnissen des „Übermikroskops“ [d.h. des Elektronenmikroskops] ausgelöst.

Lüdtke, K.H. (1999) Zur Geschichte der frühen Virusforschung

Im gegenwärtigen Zusammenhang könnte ich mir vorstellen, dass die Virus-Skeptiker die Elektronenmikroskopie nunmehr vollends als unzuverlässig hinstellen werden, um einer Falsifikation ihrer liebgewonnenen Exosomen-Hypothese auszuweichen. Daher möchte ich hier klarstellen, dass das obige Zitat sozusagen aus der Steinzeit der Elektronenmikroskopie stammt, und dass das darin anklingende Problem schon kurze Zeit später gelöst wurde.

Aufnahmen wie die in Abbildung 1 werden mit der „negative staining“-Technik angefertigt. Dabei wird nicht das biologische Material direkt abgebildet. Stattdessen wird dieses zunächst mit einem anorganischem Kontrastmittel überschichtet. Dabei bildet sich ein Abguss, eine Art „Totenmaske“ des biologischen Materials. Es ist diese Maske, die dann im Bild erscheint, und sie hält der Einwirkung des energiereichen Elektronenstrahls problemlos stand.

Eine modernere Lösung desselben Problems ist die sogenannte Cryo-Elektronenmikroskopie. Hierbei wird die Probe bei einer Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt tiefgefroren. In diesem Zustand ist sie weniger empfindlich für strukturelle Schäden durch den Elektronenstrahl. Moderne, hochauflösende Elektronendetektoren erlauben eine detailliertere Abbildung, anhand derer zunehmend auch molekulare Strukturen der Untersuchung zugänglich werden.

4.3. Zur Reinigung und Charakterisierung von Viren aus Patientenmaterialien

Eine weitere steile These von Engelbrecht lautet wie folgt:

Es wurden auch noch nie Partikel, von denen vermutet wird, es handele sich um Viren, vollständig gereinigt („purified“), isoliert, mit einem Elektronenmikroskop aufgenommen und biochemisch charakterisiert. Genau dies wäre aber die Grundvoraussetzung schlechthin für einen soliden Virusnachweis.

https://www.mwgfd.org/2024/06/virusnachweis-wo-bist-du/

Wie oben schon besprochen, disqualifiziert Engelbrecht hierbei die Reinigung von Viruspartikeln aus Zellkulturen. Für diese Disqualifikation gibt es natürlich keinen überzeugenden Grund, und sie wird daher von praktizierenden Virologen mit Recht ignoriert. Darauf gehe ich weiter unten noch ein; hier möchte ich zunächst nur ein Beispiel anführen, welches Engelbrechts Forderung genügen sollte. Die fraglichen Studien betreffen das Hepatitis A-Virus, welches in den frühen 1970er Jahren in den Stuhlproben von Patienten nachgewiesen worden war [8]. Es gelang zunächst nicht, dieses Virus in Zellkulturen anzuzüchten; jedoch ließ es sich in beträchtlichen Mengen aus dem Stuhl isolieren.

Abbildung 2: Charakterisierung von Partikeln des Hepatitis A-Virus, die aus dem Stuhl von Erkrankten isoliert wurden. A, B: Gereinigte Partikel unter dem Elektronenmikroskop [9]. Die schwarzen Balken sind jeweils 100 Nanometer lang. In B wurden die Partikel mit dem Serum von Schimpansen vermischt, die Hepatitis A durchgemacht hatten. Der „Flaum“, der die Partikel umgibt, besteht aus gebundenen Antikörpern. C: Ein einzelnes virales RNA-Molekül, das aus einem Partikel freigesetzt wurde [10]. Der Balken ist hier 250 Nanometer lang.

Die Virologen Siegl und Frösner führten an solchen Viruspräparationen eine Reihe eingehender Studien durch. In ihrer ersten Arbeit untersuchten sie das Verhalten dieses Virus durch Dichtegradientenzentrifugation [9]. Diese Methode wurde in zwei Variationen angewandt. Eine davon diente zur ungefähren Bestimmung der Größe der Partikel, und die andere zur Bestimmung ihrer Dichte, d.h. ihres spezifischen Gewichts. Dabei verglichen Siegl und Frösner das Hepatitis A-Virus direkt mit einem bekannten Parvovirus und mit dem Poliovirus. Sie fanden heraus, dass das Hepatitis A-Virus dem Poliovirus ähnlich war, und folgerten, dass es zu derselben Virus-Familie gehören müsse, nämlich den Picornaviren. Diese Schlussfolgerung hatte bis heute Bestand. Die Autoren gaben auch eine detaillierte Beschreibung ihres Reinigungsprotokolls und zeigten elektronenmikroskopische Aufnahmen der gereinigten Partikel (Abbildung 2). Elektronenmikroskopie wurde zusätzlich auch zur genaueren Bestimmung der Partikelgröße eingesetzt.

In ihrer zweiten Studie untersuchten dieselben Autoren die in den Virus-Partikeln enthaltene genomische Nukleinsäure [10]. Sie fanden, dass diese aus einzelsträngiger RNA bestand. Dieser Befund passt zur Einordnung des Virus in die Picorna-Familie. Eine dritte Studie unter Beteiligung zweier weiterer Autoren schließlich untersuchte die Zusammensetzung der in den Viruspartikeln enthaltenen Proteinmoleküle [11]. Alle drei Studien sind sehr gut und gründlich dokumentiert und frei zugänglich.

Diese Studien erfüllen mithin alle von Engelbrecht erhobenen Forderungen: die Partikel wurden aus Patientenmaterialien (Stuhlproben) isoliert, sie wurden in einem aufwändigen Verfahren gereinigt, und sie wurden mit biophysikalischen und biochemischen Methoden sowie durch Elektronenmikroskopie charakterisiert. Es wurde außerdem gezeigt, dass die isolierten Viren mit Antikörpern im Blut von Hepatitis A reagierten, so wie es von dem kausalen Krankheitserreger zu erwarten ist.

Die „Widerlegung“ dieser Studien durch die Virus-Skeptiker wird vermutlich ganz einfach in noch weiterreichenden Forderungen bestehen – zum Beispiel der, dass auch gleich noch Freiwillige in Bataillonsstärke mit dem gereinigten Virus hätten infiziert werden müssen, ungeachtet des Risikos schwerer Verläufe; oder dass die virale RNA auch noch hätte sequenziert werden müssen.

Die genomische Nukleotidsequenz des Virus wurde etwas später anhand einer in vitro erzeugten und dann in Bakterien vermehrten DNA-Kopie des Genoms ermittelt [12]. Wie bereits eingangs diskutiert, ist jede experimentelle Studie durch die technischen Möglichkeiten ihrer Zeit limitiert. Die hier zitierten Untersuchungen am Hepatitis A-Virus waren so rigoros und gründlich, wie es mit den Mitteln der betreffenden Zeit überhaupt möglich war. Heutzutage könnte man die Sequenz des Virus sogar direkt anhand von Stuhlproben ermitteln. Natürlich sind solche modernen Methoden für die Virus-Skeptiker auch wieder Anathema.

5. Zum „Verbot“ von Zellkulturen durch die Virus-Skeptiker

Die Einführung von Zellkulturen zur Isolierung von Viren bedeutete einen großen Fortschritt in der Virologie. Man kann ihre Bedeutung derjenigen fester Nährböden in der Bakteriologie vergleichen. Solche Nährböden erlauben es, bakterielle Mischkulturen zu trennen und die einzelnen darin enthaltenen bakteriellen Spezies zu isolieren. Außerdem kann man häufig anhand des Erscheinungsbilds der bakteriellen Kolonien bereits die Spezies erkennen oder zumindest einengen.

Viren benötigen Wirtszellen, um zu wachsen. Wenn man die Wirtszellen wie einen Rasen auf einer glatten Oberfläche (bedeckt von Nährflüssigkeit) wachsen lässt, dann können einzelne Viruspartikel auf einem solchen Rasen sichtbare sogenannte Plaques bilden, indem sie nach anfänglicher Vermehrung in einer einzelnen Wirtszelle nach und nach weitere benachbarte Zellen infizieren. Solche Plaques sind den bakteriellen Kolonien auf einem festen Nährboden vergleichbar. Aus einem Plaque kann man die Nachkommenschaft eines einzelnen Viruspartikels isolieren; diese kann dann in separater Kultur weiter vermehrt werden. Dieser Prozess ist nicht so einfach und zuverlässig wie bei Bakterienkolonien auf festen Nährböden, aber doch sehr viel einfacher und effektiver, als es in Tierversuchen möglich wäre.3

Die infizierten Zellen in den Plaques zeigen außerdem häufig morphologische Veränderungen, sogenannte zytopathische Effekte. Das Erscheinungsbild solcher Effekte variiert und kann auf die Identität des betreffenden Virus hindeuten.

Wenn also die Zellkultur eine so nützliche Methode ist, warum wird sie dann von den Virus-Skeptikern abgelehnt? Soweit ich sehe, werden hierfür die folgenden Gründe angeführt:

  1. Zellkulturen sind „schmutzig“, denn in ihnen ist ja das Virus nicht völlig „rein“, d.h. frei von anderer lebender Materie.
  2. Zytopathische Effekte können nicht nur durch Viren, sondern auch durch andere Faktoren ausgelöst werden.
  3. Man kann nicht sicher sein, dass ein Virus nach Vermehrung in Zellkultur noch dasselbe ist wie zuvor, oder dass es nicht überhaupt den kultivierten Zellen selbst entstammt, und nicht der Probe, mit denen man diese Kultur beimpft hatte.

Von diesen drei Einwänden sind die ersten beiden unsinnig. Viren können sich ja nur in lebenden Zellen vermehren, also wird man sie immer nur aus einer „unreinen“ Umgebung erhalten können. Ich nehme an, der Leser benötigt keine Belehrung zu der Frage, ob Zellkulturen weniger sauber seien als zum Beispiel Sputum oder Stuhlproben. Und dass es vielerlei Möglichkeiten gibt, Zellkulturen zu misshandeln, wird jedem praktizierenden Virologen klar sein, und er wird sie tunlichst vermeiden. Ich habe auch noch kein mit Zellkulturen arbeitendes Labor gesehen, in dem nicht bei jedem Experiment auch unbeimpfte Kulturen als Kontrollen mitgeführt wurden.

Der dritte Einwand lässt sich nicht so einfach von der Hand weisen. Es gibt tatsächlich Beispiele dafür, dass Zellkulturen, welche man für sauber gehalten hatte, selbst doch schon Viren enthielten, welche dann zu Problemen führten. Ein vielleicht bekanntes Beispiel aus dem Jahr 1967 ist das Marburg-Virus, mit welchem Meerkatzen infiziert waren, die man für die Gewinnung von Zellkulturen verwendete. Bei dieser Arbeit wurden mehrere Laboranten infiziert, von denen einige in der Folge starben. Ein weiteres Beispiel aus derselben Zeit sind Polio-Impfstoffchargen, die mit dem potentiell krebsverursachenden SV40-Virus kontaminiert waren; auch dieses Virus stammte aus der betreffenden Zellkultur.

Dieses Problem ist also real, aber es ist heutzutage sehr viel besser beherrschbar. Denn inzwischen ist es ohne weiteres möglich, die gesamte genetische Information zu ermitteln, die in einem Organismus oder einer Zelllinie vorhanden ist. Dabei würde man auch alle etwa vorhandenen viralen Sequenzen finden. Tatsächlich wurde ja im menschlichen Genom eine sehr große Anzahl von Retroviren und ähnlichen genetischen Elementen gefunden [14]. Solche „residenten“ Viren könnten im Prinzip auch in Zellkulturen Virus-Partikel erzeugen, welche dann andere darin angezüchtete Viren kontaminieren würden. Auch dies ließe sich aber mit modernen Methoden recht leicht nachweisen. Zudem betrifft dieses Problem nicht nur Zellen in Kultur, sondern ebenso auch die Zellen lebender Menschen und Tiere.4

Es lässt sich weiterhin experimentell bestimmen, ob ein in Zellkultur angezüchtetes Virus mit dem im ursprünglichen Probenmaterial identisch ist. Hierbei kann man sowohl spezifische Antikörper als auch PCR und Sequenzierung einsetzen. Zusammenfassend kann man daher sagen, dass es für das gegen Zellkulturen verhängte „Verbot“ der Virus-Skeptiker keine substanziellen Gründe gibt. Praktizierende Virologen werden dementsprechend dieses Verbot auch weiterhin ignorieren.

6. Zur Isolation und Reinigung von SARS-CoV-2

Unter allen Thesen der Virus-Skeptiker findet wohl die am meisten Anklang, dass das SARS-CoV-2-Virus noch niemals isoliert worden sei. Die Virus-Skeptiker stützen diese Behauptung natürlich ganz auf ihre selbstgemachten Regeln – nämlich die, dass sie als Nachweis der Existenz des Virus nur solche Studien gelten lassen wollen, in denen das Virus direkt aus Patientenmaterialien gereinigt wurde – ohne Verwendung von Zellkulturen – und danach noch „weiter charakterisiert und seine genetische Beschaffenheit“ bestimmt worden sei, etc. Zum „Beweis“ präsentieren sie dann zahlreiche Briefwechsel mit virologischen Laboren und Untersuchungsstellen, in denen diese bestätigen, den hanebüchenen und ihnen zuvor unbekannten Regeln der Virus-Skeptiker nicht in vorauseilendem Gehorsam gefolgt zu sein.

Um es gleich zu sagen – mir ist auch keine Studie bekannt, welche alle Forderungen der Virus-Skeptiker erfüllt. Wenn ein Virus in Zellkultur angezüchtet werden kann, dann ist es klar, dass praktizierende Virologen auf diese Möglichkeit nicht ohne Not verzichten werden. Aber es gibt durchaus Studien, in denen das Virus in Patientenmaterialien nachgewiesen, sodann in Zellkultur angezüchtet und anschließend detailliert charakterisiert wurde. Eine solche Studie ist die von Yao et al. [16]. Hier wurde das Virus von elf einzelnen Patienten mithilfe von Zellkulturen isoliert und anschließend sequenziert. Die weiteren in dieser Arbeit berichteten Experimente sind für den Zweck dieses Artikels nicht von Belang.

In der Studie von Liu et al. [17] wurde das Virus von einem einzelnen Patienten isoliert. Die Sequenz wurde hier nur direkt anhand des Probenmaterials bestimmt. Das Virus wurde in Zellkultur angezüchtet und seine Identität durch PCR überprüft. Nach weiterer Vermehrung in Zellkultur wurde es durch chemische Behandlung inaktiviert, durch mehrere Zentrifugationsschritte gereinigt, und schließlich durch Cryo-Elektronenmikroskopie untersucht. Die Gestalt der beobachteten Viruspartikel ist typisch für die Familie der Coronaviren (Abbildung 3).

Figure 3: Cryo-elektronenmikrospische Aufnahme eines SARS-CoV-2-Partikels. Die gesamte Oberfläche ist mit zumeist unscharf abgebildeten Spike-Protein-Molekülen dekoriert. Rechts wurden das Nucleokapsid im Inneren, die umgebende Membran und drei einzelne Spike-Protein-Moleküle farblich hervorgehoben.

Auf einige weiterführende Fragen zu SARS-CoV-2 werde ich hier nicht eingehen, insbesondere auf die, wie zuverlässig die Bestimmung der Sequenz des Genoms war. Dieses Thema ist sehr technisch und würde den ohnehin schon weit gefassten Rahmen dieses Artikels sprengen; und es berührt die Frage der Existenz von SARS-CoV-2 nicht im Kern. Ich habe auch nicht vor, die massenhafte missbräuchliche Anwendung von PCR und anderen Tests auf klinisch Gesunde zu rechtfertigen, oder die grotesk übertriebene Panik, die um diese künstlich herbeigeführte „Pandemie“ geschürt wurde. Ich behaupte lediglich, dass die Existenz des SARS-CoV-2-Virus ausreichend nachgewiesen wurde.

7. Fazit

Die Idee, dass die Existenz pathogener Viren „nicht bewiesen“ sei, ist Unsinn. Wenn man sie wortwörtlich nimmt, dann ist sie trivial, weil in der empirischen Wissenschaft nichts ein für allemal bewiesen werden kann. Wenn man sie daran misst, wie gut sie mit den bekannten Beobachtungen übereinstimmt, dann fällt sie krachend durch, wie bereits die wenigen hier besprochenen Beispiele zeigen, die den eigenwilligen Forderungen der Virus-Skeptiker weitgehend oder zumindest teilweise entsprechen.

Aber das Grundproblem sind natürlich genau die willkürlichen Einschränkungen selbst, welche die Virus-Skeptiker den Mainstream-Virologen auferlegen möchten. Es gibt einfach keine rationalen Argumente gegen den Einsatz von Zellkulturen für den Nachweis von Viren, genauso wenig wie gegen den von festen Nährböden in der Bakteriologie. Dasselbe gilt für moderne Verfahren zum Nachweis von viralen Nukleinsäure-Sequenzen in Zellkulturen oder auch in Probenmaterialien. Wie alle anderen Methoden kann man natürlich auch diese missbräuchlich einsetzen. Solcher Missbrauch ist zu beanstanden, aber ein grundsätzliches Verbot ist unbegründet.

Das ganze von den Virus-Skeptikern ersonnene „Beweisverfahren“ hat nichts mit echter Wissenschaft zu tun. Es erinnert vielmehr an die Wasserprobe, welcher man einstmals der Hexerei Verdächtige unterzog. Man fesselte den Unglücklichen die Glieder und ließ sie dann ins Wasser herunter; konnten sie dennoch schwimmen, dann galten sie als überführt. Wenn es nach den Virus-Skeptikern geht, dann soll auch die Virologie sich freiwillig fesseln lassen. Sollte sie danach wider Erwarten doch noch schwimmen können, so wird man auch ihr dies sicherlich als Hexerei auslegen.

Ich stellte diesem Artikel ein Wort von Karl Popper voran. Ein weiteres passt hier ans Ende: „The survival value of intelligence is that it allows us to extinct a bad idea, before the idea extincts us“ – „unsere Intelligenz hilft uns überleben, weil sie es uns erlaubt, schlechte Ideen auszumerzen, bevor diese Ideen uns ausmerzen“. Die „No virus“-Doktrin ist nichts weiter als eine von diesen schlechten Ideen.

Fußnoten

  1. Ich verwende die Sammelbezeichnung „Virus-Skeptiker“ hier für all jene, die die Existenz von Viren bestreiten oder für „unbewiesen“ halten.
  2. Übersetzt aus dem englischen Original.
  3. Eine Studie von Bohl et al. [13] illustriert den Aufwand, der damit verbunden ist, ein einzelnes Virus von zwei weiteren anfänglich vorhandenen Viren zu isolieren, wenn die Vermehrung ausschließlich in lebenden Tieren möglich ist.
  4. In diesem Zusammenhang behauptet Engelbrecht, dass die Behandlung von Zellkulturen mit Antibiotika (zur Vorbeugung gegen bakterielle Kontamination) die Zellen dazu bringen könnten, „neue Gensequenzen“ zu bilden, die „wohlgemerkt nicht viral sind.“ Die von ihm als Beleg zitierte Studie [15] spricht jedoch lediglich von der Freisetzung chromosomaler und mitochondrialer DNA; beide gehören zur zellulären DNA. Eine „Bildung neuer Gensequenzen“ findet nicht statt.

Literatur

  1. Popper, K. (1934) Die Logik der Forschung (Teuschner).
  2. Grange, J.M. und Bishop, P.J. (1982) `Über Tuberkulose.‘ A tribute to Robert Koch’s discovery of the tubercle bacillus, 1882. Tubercle 63:3-17
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  13. Bohl, E.H. et al. (1982) Porcine pararotavirus: detection, differentiation from rotavirus, and pathogenesis in gnotobiotic pigs. 1861 15:312-9
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  16. Yao, H. et al. (2020) Patient-derived SARS-CoV-2 mutations impact viral replication dynamics and infectivity in vitro and with clinical implications in vivo. Cell Discov. 6:76
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